Wieviel Marke brauchen Serviced Apartments?

Wieviel Marke brauchen Serviced Apartments?

… des Pudels Kern oder wieviel ist drin von dem was drauf steht?

Hotels an sich haben es schon schwer, ihre Alleinstellungsmerkmale an den Gast zu bringen. Die einst viel versprechenden Loyalitätsprogramme sind längst nicht mehr DAS Bindeglied zwischen Kunden und der Marke – viel mehr ist aus dem Monogamie Gedanken sogar ein „Polygamie-Gang-Bang“ geworden: wo einst Übernachtungen angehäuft wurden, kann man heute Flugmeilen, Konzerte und sonstige Erlebnisse erfahrbar machen. Überhaupt werden nicht mehr Betten und Duschen angepriesen – nein, „Experience“ muss her: einst sah man uniformierte XXL-Betten auf den Fotos der Webseiten, die das USP (unique selling product) anpreisen sollten. Und heute? Lachende Menschen, die sich offensichtlich so wohl bei einer Tasse Kaffee fühlen, dass die Ekstase ansteckend wirken soll. Aber welche Werte und welches Produkt soll genau hier noch mal vermarket werden? Auf Anhieb fällt es der breiten Masse wohl eher schwer den passenden Slogan zu einer bestimmten Hotelmarke aus dem FF zu kennen. Oder wie geht es Ihnen da?

Schaut man sich dann die kleine Nische „Serviced Apartments“ an – oder wie heißt dieses Produkt eigentlich genau? Micro-Living, Apart’Hotel, Wohnen auf Zeit,…? – fragt man sich schon wieviel Marke braucht ein Produkt, dessen Konzeption noch nicht mal ein richtiges Branding hat? Frei nach dem Motto „unter den Blinden ist der Einäugige König“ waren die Marketing Abteilungen der großen Hotelketten aber fleißig und haben schnell Ableger konzipiert, die sich an die ehemaligen XXL-Betten anlehnen – nun aber auch- sage und schreibe: eine Kochnische bereit halten! Das Produkt ist kein Zimmer mehr, sondern ein Studio, Loft oder „One-Bedroom-Apartment“. Klar alles Englische ist hipp und international, aber meine Oma hätte nie ein Apartment „o(h)ne Bedroom“ gebucht.

Kommen wir zurück zur „Experience“ – gerade hier könnten die Serviced Apartments doch punkten?! Was kann ein 17 qm Zimmer bieten was nicht eine voll ausgestattete Küche mit flexiblen Möbeln auf 27 qm kann?! Ich sehe vor meinem inneren Auge freudige Menschen ihr Essen zubereiten; sich auf die lokalen Spezialitäten in der Fremde einlassen und die sich dennoch zu Hause fühlen; man könnte hier eine Marketing Maschinerie zum Destinationsmanagement starten und die Geschichten bzw das „Story-Telling“ würden nicht abflachen… Aber nein, die „Experience“ findet ganz wo anders statt: mein Erlebnis von morgen vertraue ich zweihundert Gästen der letzten Wochen an, die fleißig auf Bewertungsportalen ihrer Meinung Luft gemacht haben. Wirklich? Also sind die Werte einer Marke nichts im Vergleich zu den Bewertungen über diese? Kein Wunder, dass viele zum Gegentrend überlaufen. Lokal muss es sein – authentisch – individuell – der Gastgeber steht im Mittelpunkt – überhaupt trennt kein Rezeptionstresen mehr Gast und „Host“. Egal was andere sagen: wir sind zu Besuch bei Freunden!… nur dass diese mir eine Steuerrechnung überreichen können, mit der sowohl meine Buchhaltung als auch das Finanzamt etwas anfangen können.

Da wünsche ich mir doch irgendwie wieder die uniformierten Betten zurück. Da gab es rechts am Waschbecken immer einen Haar Föhn – ein klein bisschen Routine, die mir bei dem Konzept-Chaos und den unzähligen Meinungen und Marken doch einen wagen Hauch von Sicherheit und Kontrolle vermittelt hatten – das sind schließlich auch Werte. Vielleicht bin ich aber auch jemandes Zielgruppe, dessen Konzept noch nicht entwickelt wurde? Keine Frage: Brand Development Potential ist immer noch da! Und wenn schon nicht für mich, dann mindestens für meine Oma! #goldenager #seniorliving #wasdiegroßmutternochwusste